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TU Berlin

Inhalt des Dokuments

Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung

Willkommen auf der Homepage unseres Forschungsprojektes!

1. Aufgaben und Ziele

Das Projekt emsoz untersuchte in den Grundschulen der Berliner Ortsteile Mitte (alt) und Wedding, wie Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf im Bereich "emotionale und soziale Entwicklung" gefördert werden. Zugleich sollte herausgearbeitet werden, welche Bedingungen und Methoden die Förderung möglichst effektiv gestalten lassen.

2. Beteiligte Institutionen

Auftraggeber:
Senator für Bildung, Jugend und Sport Berlin
jetzt: Senatsverwaltung für Bildung Wissenschaft und Forschung

Wissenschaftliche Projektleitung:

Prof. Dr. Karl-Heinz Arnold, Universität Hildesheim

Projektbeirat:
Vertreter der Senatsverwaltung für Schule, des Landesschulamtes sowie des Schulamtes Mitte, des Landesinstituts für Schule und Medien (LISUM) und schulischer Unterstützungsdienste

Schulen:
Grundschulen im Bezirk Berlin-Mitte, Ortsteile Wedding

3. Projektmitarbeiter

Wissenschaftliche Projektleitung:
Prof. Dr. Ulf Preuss-Lausitz, Technische Universität Berlin
Prof. Dr. Karl-Heinz Arnold, Universität Hildesheim

Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen im emsoz-Projekt:
Dr. Anne Levin, Technische Universität Berlin
Dr. Peggy Richert, Universität Hildesheim
Annette Textor, Technische Universität Berlin, aktuell: Universität Dortmund

Projektmitarbeiter aus der Schulpraxis:
Petra Frädrich (Sonderpädagogin)
Dietlind Gloystein (Sonderpädagogin)
Dagmar Lukas (Schulleiterin)
Birgit Markuse (Sonderpädagogin)
Wilfried Sorg (Leiter des Schulpsychologischen Dienstes Berlin-Mitte)

4. Projektbeirat

Um das Projekt kooperativ mit allen am Projekt beteiligten Institutionen regelmäßig beraten zu können, wurde ein Projektbeirat eingerichtet, der sich vierteljährlich unter der Leitung der Schulrätin des Bezirks Mitte, Ilse Rudnick, traf. Er hatte zum Ziel, durch die Diskussion der Fragestellungen, der Informationserfassung und -interpretation und der Praxisprobleme zur Entwicklung des emsoz-Projektes beizutragen. Dem Beirat gehörten Mitglieder aus Bildungsverwaltung, Schulaufsicht, Jugendhilfe, Experten der Schulpsychologie, der psychologisch-pädagogischen Arbeit mit Migrantenkindern und ihren Eltern und die Projektleitung an.

5. Fragestellung

Ziel des emsoz-Projektes ist es, der Frage nachzugehen, welches die optimalen unterrichtlichen, schulischen und außerschulischen Wege sind, mit denen Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf im Bereich "emotionale und soziale Entwicklung" gefördert werden können. Entsprechend dieser Fragestellung lassen sich die zu untersuchenden Merkmale in drei Kategorien einteilen:

1. Merkmale der Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf emsoz:
Mit welchen Merkmalen können die Kinder, die "offiziell", d.h. aufgrund eines Förderausschusses und einer entsprechenden Entscheidung der Schulaufsicht sonderpädagogische Förderung im emotionalen und sozialen Bereich erhalten, beschrieben werden?
Welche außerschulischen Hilfe- oder Therapiemaßnahmen werden in Anpruch genommen?
Wie verändern sich die Kinder im Laufe des Projektes?
Welchen Belastungen sind diese Kinder in ihrer Familie und in ihrem sozialen Umfeld ausgesetzt? Aber auch: Auf welche Ressourcen können sie zurückgreifen?
In diesem Sinne wird sowohl nach dem Fremdbild (Lehrkräfte, Eltern) als auch nach dem Selbstbild der betroffenen Kinder gefragt.

2. Merkmale der Klassen, Unterrichts- und Schulsituation:
Wie wird der Unterricht in Klassen mit emsoz-Kindern gestaltet?
Was unternehmen die einzelnen Schulen, um das Schulleben zu fördern?
Wie entwickelt sich die soziale Situation der Kinder mit Förderbedarf emsoz in den jeweiligen Klassen?

3. Merkmale der Förderung:
Wie wird schulische Förderung von emsoz-Kindern von ihren Lehrern geplant, realisiert und evaluiert?
Welche Fördermaßnahmen sind unter welchen Bedingungen effektiv? Gibt es ungünstige Nebeneffekte von Förderung?
Wie sieht die Kooperation zwischen Schule und Elternhaus bzw. zwischen Schule und außerschulischen Hilfeeinrichtungen aus?

6. Projektdauer

2000 - 2005

  • 2000-2001: Vorbereitung, Antragstellung, Designentwicklung, Klärung der personellen und sächlichen Ausstattung.
  • 2001-2004: Durchführung der empirischen Phase des Projekts; laufende Teilauswertungen.
  • 2004-2005: Gesamtauswertung und  Verfassen des Gesamtberichts.

7. Stichprobe

Untersucht wurden Schülerinnen und Schüler mit offiziellem Förderstatus im Bereich emotionale und soziale Entwicklung (emsoz) aus den Berliner Ortsteilen Wedding und Mitte. Es wurden alle emsoz-Schüler in die Stichprobe aufgenommen, die dort im Schuljahr 2001/02 die erste Klasse einer Grundschule besuchten; im Ortsteil Wedding wurden außerdem alle emsoz-Schüler untersucht, die die vierte Klasse einer Grundschule besuchten. Schülerinnen und Schüler mit offiziellem Förderstatus, die im Laufe des Projekts in den entsprechenden Jahrgangsstufen hinzugekommen sind, wurden nachträglich in die Stichprobe mit aufgenommen.

Die Stichprobe umfasste insgesamt 33 Schüler zu Beginn und 47 Schüler am Ende des Untersuchungszeitraums. Sie verteilen sich auf 21 bis 33 Klassen bzw. 12 bis 19 Schulen. Im Vergleich zu ihren Mitschülern sind die emsoz-Kinder überdurchschnittlich häufig Jungen und  weniger häufig Kinder mit Migrationshintergrund.

Formal stehen diesen Schüler/innen in Berlin vier Stunden zusätzliche Förderstunden pro Woche für individuelle Förderung zu. Da aber insgesamt nur ein bestimmtes Kontingent an Förderstunden zur Verfügung steht, sind es real meistens eher drei Stunden. Diese Stunden werden primär in Form von Doppelbesetzungsstunden genutzt, sie können aber auch zur Beratung der Klassenlehrerin bzw. des Klassenlehrers durch eine Ambulanzlehrerin, zur Beobachtung des Schülers oder zur Einzel- oder Kleingruppenförderung etc. verwendet werden.

8. Untersuchungsdesign

Die empirische Phase des Projekts war insgesamt auf drei Schuljahre angelegt.

Untersuchungsverlauf:
Die Schülerinnen und Schüler werden von der ersten bis zur dritten bzw. von der vierten bis zur sechsten Klasse begleitet. Betrachtet man die Ergebnisse im Querschnitt, erhält man auf diese Weise Daten zur gesamten Berliner Grundschulzeit; im Längsschnitt können zumindest mittelfristige Entwicklungen über drei Jahre verfolgt werden. Zur Beantwortung der Fragestellung wird die Aktenlage analysiert, die unterschiedlichen Beteiligten werden mit halbstandardisierten Interviews und mit standardisierten Fragebögen befragt, außerdem wird der Unterricht beobachtet (vgl. Tabelle).

Zeitlicher Ablauf des emsoz-Projekts
Schuljahr 2001/02

Schuljahr 2002/03

Schuljahr 2003/04


Analyse der Fördergutachten, Förderpläne und -berichte

Analyse der
Fördergutachten (nur bei neu hinzugekommenen Kindern), Förderpläne und
-berichte
Analyse der Fördergutachten(nur bei neu hinzugekommenen Kindern),
Förderpläne und -berichte
Gruppendiskussion mit Förderlehrern

Gruppendiskussion
mit Klassenlehrern
Gruppendiskussion
mit Klassen- und Förderlehrern
Befragung
der Klassen, Soziogramme

Befragung
der Klassen,
Soziogramme
Befragung
der Klassen,
Soziogramme


systematische Unterrichtsbeobachtung



Befragung von:
- emsoz-Schülern
- Klassenlehrkräften
- Förderlehrkräften
- Eltern
- Schulleitungen



Befragung von:
- emsoz-Schülern
- Klassenlehrkräften
- Förderlehrkräften
- Eltern
- Schulleitungen

Untersuchungsinstrumente
Folgende Befragungsinstrumente wurden benutzt:

  • SDQ (Strength and Difficulties Questionnaire), TRF (Teacher Report Form), CBCL (Child Behavior Checklist): Diese drei Fragebögen dienen dazu, aus den Perspektiven der Lehrkräfte, der Eltern und der emsoz-Schüler selbst das problematische Verhalten zu erfassen.
  • DEPRES (Depressionsskala), SKSK (Selbstkonzept der sozialen Kompetenz): Beide Fragebögen werden zur Befragung der emsoz-Schüler eingesetzt, um ihr emotionales Erleben zu erfragen.
  • FFWS (Fragebogen zu Freundschaften und zum Wohlfühlen in der Schule): Mit diesem Fragebogen wurden auch die Mitschüler der emsoz-Kinder befragt. Er dient dazu, die Beliebtheit der emsoz-Schüler in den Klassen objektiv zu erfassen und ihre subjektive Wahrnehmung ihrer psychosozialen Situation zu erfragen.
  • FFS (Fragebogen zur Fördersituation): Neben allgemeinen Angaben zur Klassen- und Unterrichtssituation werden in diesem Fragebogen die Fördersituation und die Lernstände der Schüler in den verschiedenen Unterrichtsfächern dezidiert erfragt.
  • FAE (Fragebogen zur Allgemeinentwicklung): Mit diesem Fragebogen werden die Lehrkräfte zu Lern- und Arbeitsverhalten, Sprachentwicklung, Wahrnehmung, Motorik und Sozialverhalten der Schüler befragt.
  • EFBFS (Elternfragebogen zur Beschreibung der familiären Situation): Dieser Fragebogen dient als Leitfaden für die Elterninterviews zur familiären Situation und zur Entwicklung des Kindes. Er orientiert sich an Standardverfahren zur Anamnese in psychosozialen Beratungseinrichtungen bzw. klinisch-psychologischen Ambulanzen.
  • ASPG (Analyseschema für sonderpädagogische Gutachten): Das Analyseschema orientiert sich an dem Strukturvorschlag für sonderpädagogische Gutachten, der von Arnold und Kretschmann (2002) ausgearbeitet worden ist.

Im Projektabschlussbericht werden diese Instrumente ausführlich beschrieben.

9. Ergebnisse

Die Studie hat eine Vielzahl interessanter Ergebnisse erbracht, die im Ende 2005 erschienenen Projektabschlussbericht und anderen Veröffentlichungen berichtet werden. Im Folgenden werden die zusammenfassenden Schlussfolgerungen aus dem Projektbericht wiedergegeben.

  1. Der Bedarf für Förderung im Bereich “emsoz/verhaltensauffällige Kinder” wird von den Schulbehörden unterschätzt.
  2. Die Gutachten müssen deutlich kompetenter, an vergleichbaren Qualitätsstandards orientiert und für die “Abnehmer” praktischer werden.
  3. Die gesundheitlichen und sozio-ökomischen Belastungen der Familien und ihrer emsoz-Kinder werden im Vorschulalter zu wenig durch Familienunterstützung und Frühförderung beachtet und in der schulischen Förderung von Lehrern weitgehend ignoriert.
  4. Doppelt besetzter Unterricht und die Förderung innerhalb des Klassenraums ist störungsreduzierend, fördert die Aufgabenorientierung und hat Fördereffekte. Das gleiche gilt für eine Differenzierung der Leistungsanforderungen.
  5. Die Einbeziehung der Mitschüler und Freunde in eine ganzheitliche Förderkonzeption ist auszubauen.
  6. Die integrierte Förderung von verhaltensauffälligen Schülern ist auch dann sinnvoll, wenn sie erst in späteren Grundschuljahren beginnt.
  7. Interventive und präventive Einrichtungen für die ganze Schule (Schulstationen, Schülerclubs, Ombudsman/-woman usw.) erleichtern die individuelle Förderung, die Durchführung von Unterricht und die Kompetenzsteigerung der “normalen” Lehrkräfte.
  8. Die Förderung verhaltensauffälliger Kinder ist effektiver, wenn Schulpsychologie, Jugendhilfe und ggf. auch Therapieangebote für Eltern und Kinder niedrigschwellig erreichbar sind und mit der Schule eine gemeinsame Hilfeplanung verbindlich verabredet wird.
  9. Die Kompetenzen für gezielte Förderung von emsoz-Kindern sind bei Grundschullehrkräften und bei Sonderpädagogen deutlich zu erhöhen, insbesondere im Rahmen schulinterner Fortbildung.
  10. Der “Berliner Weg”, auf Schulen für Erziehungshilfe und überwiegend auf Sonderklassen für Verhaltensauffällige zu verzichten und diese Kinder integrativ zu unterrichten und zu erziehen, ist machbar, ökonomisch effizient und bietet die Chance, das soziale und schulische Scheitern von Kindern erfolgreicher als bislang zu verhindern.

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